26.06. - 02.07.24

653 km/Fuß - 333 km/Recyclebike

Hoher Besuch aus dem Süden 

Vor einigen Wochen stand es schon fest, dass meine Mama mich in Finnland besuchen wird. Dass es dann in Oulu sein wird stand auch schon recht schnell fest. 
Bis nach Tornio waren es noch ca. 150 km mit dem Fahrrad. Da ich mir aber die Nebenstraßen zu den versteckteren Laavus am Meerufer aussuchte wurden es etwas mehr. 
So konnte ich die nächsten Tage die Abendsonne an der spiegelglatten und manchmal auch stürmischen Ostsee am Nippel des Meerbusens genießen. 
Die buckligen Wanderwege zu den Sheltern und den halbwegs  guten Zeltplätzen waren das Schieben aufjedenfall wert.

Die Tatsache, dass ich seit zwei Monaten eine Angel mit mir rumschleppe und noch keinen sichtbaren Fang geschafft habe, sollte sich dann eines abends ändern. 
Am Ostseeufer darf man ohne Genehmigung angeln. 
Diesmal hatte ich an einem Steinbewehrten Ufer Glück und angelte mir zwei ca. 15 cm Barsche an Land. Da ich immer angel wenn ich schon satt und glücklich bin, entscheide ich mich die Fische den hungrigen Möwen zu überlassen.
 
Als ich dann in Tornio ankam, gönnte ich mir noch zwei Nächte in einem Hotel, um mich vom Fahrrad fahren zu erholen. Auch in einem Hotel kann man über den Preis pro Nacht handeln. Oberschenkel und Füße müssen sich erst dran gewöhnen. 
Ich bekam ein Einzelbettzimmer, wie immer in finnischer Bauaurt mit den Fenstern an denen man nur ein kleines Stück Fenster aufmachen kann, ohne Klimaanlage aber mit Ventilator und Frühstück sowie einen sicheren Unterstellplatz für mein Recyclebike.
Auch in dieser kleinen Grenzstadt dreht sich alles um den Lachs und Forelle. 

Mit dem Fernbus ging es dann in zwei Stunden zurück nach Oulu. Für die Strecke brauchte ich 4 Tage... Wahnsinn diese Beschleunigung. 

Der gemeinsame Besuch in einem mittelklasse Apartment im Zentrom von Oulu war sehr schön. Das Wiedersehen hat mir sehr viel Freude bereitet. Die Aufregung vor der nächsten Etappe wurde mir etwas genommen. Eine Unterhaltung endlich mal wieder auf deutsch zu führen war sehr angenehm. Ist es doch noch ein bisschen schwer für mich die richtigen englischen Wörter zu finden wenn das Gespräch doch mehr in die Tiefe geht. Von meinem finnisch brauche ich garnicht anfangen, obwohl die Einheimischen sagen, dass meine Aussprache zumindest schonmal nicht sooo schlecht ist. 

An einem sehr windigen und kühlen Morgen, machten wir eine Rundtour zum Strand oder Ferienort Nallikari an der Ostseeküste. Durch das Stadtzentrum und vorbei an einem von Kunstobjekten (überwiegend Stahlobjekte) versehenen Waldweg, gingen wir zum Strand. Das Gefühl barfuß auf dem Sand zu laufen ist immer wieder sehr beruhigend und schön. 
Zum Lunch gab es Bier und Buffet in einem Strandrestaurant. Viel Fisch, Gemüse und Fleisch lagen auf meinem Teller. 

Nach einem lieben Abschied am nächsten Morgen ging es für mich dann wieder zurück nach Tornio. Dort baute ich mein Zeug fahrradtauglich um dann in ein neues altes  Land aufzubrechen. 

(Das Bild entstand um 00:00 Uhr)

14.06 - 25.06.24 

653 km/Fuß - 0 km/Recyclebike

Ourlaub in Oulu

Was ist denn so spannendes und schönes passiert? 

Ich folgte dem alten Teerhandelsweg von Utajärvi nach Oulu. Die zweitgrößte Stadt in Finnland. 

Der Tervapuisto schlängelt sich die ersten Tagesetappen am Oulujoki entlang. Der Pfad ist gut beschrieben und ist mit einigen Tafeln versehen, auf denen man die historische Geschichte des Teers nachlesen kann.
Interessant ist, dass der finnische Teer von den meisten Schiffsbauern Europas benutzt wurde, um die Holzschiffe dicht zu bekommen. So war die Teilstrecke von Utajärvi nach Oulu eine wichtige Handelsroute für den Export des Teers von Oulu in die weite Welt.
Auf den sandigen und nadelübersähten Uferwegen kommt man an einigen Schutzhütten direkt am Ufer vorbei. Eine perfekte Stelle für eine Angelaktion, würde es nicht in Strömen regnen.
Naja nach jedem Regenschauer kommt auch wieder Sonnenschein.

Mit einer Unwetterwarnung im Nacken, baue ich mein Tarptent an einer Bootsrampe in der Nähe eines Wasserkraftwerks auf. Pölli heist der Ort.
Das gestaute Wasser an einem der zehn Kraftwerke am Oulujoki schießt mit aller Gewalt über das Stauwehr. Sehr angsteinflößend und laut. Nicht ganz so überdimensional wie am Hooverdamm, aber doch beeindruckend.

Nach dem Zeltaufbau fing es dann auch schon an mit Starkregen, Graupel und anschließend Haselnuss Hagel an.
Ich hatte Angst um mein Außenzelt aber dann hat der Donner eingesetzt und die Angst um mein Zelt wich der Angst um mein Leben. Das Gewitter war genau über mir. Ein paar hundert Meter neben mir ein Umspannwerk.
Kluge Zeltplatzwahl dachte ich mir. Die Blitze erhellten mein Zelt und der Regen ergoss sich über mich. Dann ein gleißender Blitz, 3, 2, 1 und irgendwas schlug nicht weit von mir in die Erde. Der Boden bebte. Wie Kanonenschläge, die neben mir explodierten häuften sich Donner und Blitz. Daran werde ich mich noch lange erinnern.
Solche Sommergewitter muss man eben in Kauf nehmen. Zum Glück waren keine Windböen im Spiel.

Am nächsten Morgen war wieder alles ruhig und entspannt. Zwei Generationen Angler manövrierten ihren Bootskarren an die Rampe und machten sich angelbereit.
Ob ich weis, dass Deutschland gegen Schottland beim Fußball gewonnen hat, fragten sie mich. Keine Ahnung antwortete ich. Sie sagten mir, dass der Oulujoki mal zu den besten und leichtesten Angelflüssen Finnlands zählte. Aber durch den Bau der vielen Kraftwerke und Wehre wurde das beliebte Hobby und das Angeln der Fische immer schwieriger.
Ich wünschte den drei Männern Petri Heil aber das kannten sie nicht. Vielleicht gibt es ja einen finnischen Anglerglückwunsch.

Nach dem wilden Abend, setzte ich meinen Weg über Muhos fort. Der Tervapuisto erstreckt sich über kilometer lange Bretterwege durch das flache Sumpfgebiet, das mittlerweile ein Naturschutzgebiet ist.
Im Moment scheinen die Wege gewartet zu werden, denn die neuen Gehweghölzer liegen schon lose auf den Alten. Also auch hier wieder aufpassen wo man hintritt.
An einem verregneten Tag auf maroden Brettern zu laufen ist auch nicht so optimal. Deswegen entscheiden sich meine Stiefelsohlen öfter gegen mich und lassen mich rücklängs auf die Planken ausrutschen. Danke dafür. Und danke für ein starkes Handgelenk....

Das Wundermittel

Wenn man binnen eines Tages von den fränkischen Wäldern via Flugzeug in die große weite Waldlandschaft Ostfinnlands katapultiert wird, muss man sich schon an einiges gewöhnen. Und vorallem muss man sich an eines gewöhnen, wenn man dort in den Sommermonaten unterwegs ist.
Nämlich Moskitos!
Man könnte jetzt behaupten, dass der Körper sich irgendwann gegen die Stiche immunisiert, aber bei 40 verschiedenen Arten alleine von den Moskitos ist das eher unwahrscheinlich. Dann gibt es noch Kriebelmücken und noch kleinere Biester sowie die ca. 1,5 cm großen Pferdebremsen, die dir gleich ein Nackensteak aus dem Körper rupfen.

Und was hilft gegen diese Plagegeister?

1. Sich schnell bewegen
2. Sich in der prallen Sonne aufhalten
3. Die Sommermonate meiden
4. Lange Stichfeste Kleidung + Netz
5. Rauch
6. Toxische künstliche DEET Sprays für teuer Geld
7. Nur in windigen und trockenen Gebieten Aufhalten
8. Einfach akzeptieren und aushalten

Da die meisten dieser Ideen mit einer kompletten Umplanung zu tun haben oder einfach zu kräftezehrend sind, habe ich mir etwas aus dem schlauen internetlexikon ausgesucht.

Und zwar handelt es sich um eine Pflanze, die sich gern in sumpfigen Gegenden wohl fühlt und einen DEET artigen, süßlich und säurehaltigen Geruch verströmt. Sumpfporst genannt.

Unterwegs durch die Feuchtgebiete erntete ich mir einen Beutel dieser  Blätter mit dem besonderen ätherischen Öl und kochte diese in Rapsöl oder später Kokosöl an einer Feuerstelle aus.

Das daraus gewonnene Duftöl kann man dann abfüllen und bei Bedarf auf die Hautstellen auftragen an die man rankommt. Zu dem wirkt es auch schmerzlindernd bei Stichen.
Die beste Lösung für mich ist nun eine Mischung aus  stichfester kurzer Kleidung, dem Öl und Akzeptanz. Dann lässt es sich auch bei 25 Grad + gut aushalten. Und es ist nicht so kostspielig.
 
Ein neuer Plan 

Nach dem Einmarsch nach Oulu zu meiner im vorraus gebuchten Ferienwohnung (AirBnB), war ich erstmal etwas überfordert mit dem Stadtsystem und der Hektik. 

Die Menschen dort benutzen so blecherne Kästen aus denen vier runde Gummiringe rausschauen. Jedes dieser Kisten sieht anders aus. Die haben sogar alle unterschiedliche Farben! Die Geräusche sind unterschiedlich laut und am hinteren Teil kommt ab und zu Qualm, der mich zum husten bringt. Es gibt keine wurzeligen oder weichen Pfade. Man muss auf einer glatten ebenen und harten schwarzen Masse laufen, die nicht federt. Scheinbar folgen die Bewohner hier einem System, denn wenn die aufgehängten runden Scheiben in unterschiedlichen Farben aufleuchten, bewegt man sich fort oder man bleibt stehen. Sehr merkwürdig diese Stadt... 

Naja ganz soooo krass war es dann doch nicht. hahaha 

Eine gute Woche bleibe ich in meiner Meilensteinstadt Oulu. Um auf dem flachen Land rund um den Busen einfacher vorran zukommen, klapperte ich einige Fahrradläden ab. Leider ohne Erfolg. Zur Zeit des Sonnenwendfests wurde nur halbtags gearbeitet und am Wochenende hatten nur die Lebensmittelläden offen. 

Auf einen Tipp von einem Zweiradmechaniker mit Maidenshirt sollte ich es mal in Toppila bei Cykkeli probieren. Ich fuhr mit nem Taxi dahin, weil der Laden nur noch ne Stunde vor dem langen Wochenende offen hatte. 
Die soziale Werkstatt, unterstützt durch die Kirche, machte "gefundene" und gespendete Fahrräder wieder fahrtauglich. 
Ein Tunturi Tango Citybike stand als einziges zur Auswahl, das meiner Größe gerecht wurde. 
Nach der Montage eines Gepäckträgers war ich nun ein stolzer Besitzers eines Flickwerk Velos. 28 " Reifen, spröde Mäntel, kein Licht, Backenbremsen, rostige Züge und eine 7 Gang Shimano Kettenschaltung, immerhin gefettet und gut eingestellt. 
Besser als nix und sogar bequem beim Fahren. Ich machte eine Probefahrt und freute mich so sehr über das einfach vorankommen.

Am nächsten Tag besorgte ich dann noch Werkzeug, Ersatzschläuche, Frontkorb, zwei Seitentaschen, ein Schloss und nen Fahrradhelm sowie einen Gelsattel und eine Fettarschradlerhose. Ich buchsierte alles in die Wohnung und baute alles zusammen.

Und dann geschah es: 
Ich entdeckte die Amazon Video Funktion an meinem riesigen Fernseher in meinem Loft im 7. Stock in Oulus Zentrum. Drei Tage  verbrachte ich dann damit mein frisch gekochtes Essen vor dem Fernseher zu genießen während drei Staffeln Shameless vorrüber gingen. Ein Traum nach der Überdosis Natur. Ja das geht. 

Zwischendurch wechselte ich den mittlerweile platten Schlauch von meinem Hinterrad in der Wohnung und versuchte nicht alles von der weißen Einrichtung mit meinen Schmierhänden voll zumachen. 

Mit meinem neuen fahrbaren Untersatz, einer leichteren Schlafdecke und ein paar leichteren Kindersärgen fühlte ich mich dann bereit für den nächsten Abschnitt in Lappland. 

Als ich dann am Vorabend meiner Abreise noch Woknudeln kochte, forderte mich mein Schicksal nochmal heraus. Mit Schüssel und Sojasauce in der Hand stolperte ich über ein Teppicheck und schüttete die Sauce auf das weiße stoffbezogene Sofa... Danke.
Ich verfluchte mich mal wieder selbst für meine Tollpatschigkeit und verbrachte den größten Teil des Abends damit, die Sofalehnen und Kissen zu schrubben. 
Als ich es dann meiner Gastgeberin gemeldet hatte, war das kein Problem mehr. Sie hatten Wechselbezüge für das komplette Sofa. Eine gute Gast Bewertung bei AirBnB bekommt man eben mit Ehrlichkeit und etwas Gefühl für eine saubere Wohnung. 

Weiter gehts nach Tornio.

02.06. - 13.06.24 

553 km zu Fuß

Bye-Bye UKK- Trail

Am 10.06.24 erreichte ich nach einem eher zähen langen Wandertag den großen Kirchenplatz von Puolanka.
An einer Bank vor einer großen grünen Wiese zwischen Haupthaus und kleinen Stabkapalle, schöpfte ich erstmal Kraft von der Abendsonne und ruhte mich aus. Ich war froh, dass nur ein paar Moskitos unterwegs waren. Endlich mal kein Schwarm um meinen Kopf.
Nach der Sonnenbetankung, meldete mein Magen Notstand und ich ging etwas schneller zu einem Kebab Restaurant. Dort bereitete mir Fahti eine große Kebabrolle und Pommes vor. Mein Gehirn sagte Geil!  Mein Magenvolumen war aber etwas überfordert.

Da ich nun in Puolanka angekommen bin, habe ich den südlichen UKK - Trail verlassen. Dieser zieht sich noch weit in Finnlands Norden in den gleich benannten UKK Nationalpark.
Jetzt schlage ich meine Richtung von Utajärvi nach Oulu ein. Über einen alten Teerweg, soll es zu der zweitgrößten? Stadt Finnlands gehen.

Von Puolanka nach Utajärvi komme ich durch einen Zeitsprung. Nach 550 km zu Fuß im Wald, Berg und Sumpf, kann man sich das schonmal erlauben :)
Unter Zeitsprung verstehe ich das Benutzen von motorisierten Geräten wie ein Bus... haha.
Aber ehrlich, wenn man eine Zeit lang zu Fuß unterwegs ist und dann eine Mehrtagestour in ein paar wenigen Minuten zurücklegt, fühlt es sich an wie ein Zeitsprung.
Ich würde sagen, dass die Entschleunigung bereits bei mir Früchte trägt.
So will ich die 70 km nach Utajärvi mit dem Regionalbus zurücklegen, um mich dann auf den Tervareitistö zu freuen. Wobei ich hoffe, dass der Pfad ein bisschen besser ist als die letzten "Teerwege", die mich zwar über morsche Bretter durch den schwarzen stinkenden Morast geführt haben.
Wenn man aber bei jedem zweiten Brett fürchten muss durchzubrechen, ist das nicht unbedingt zum Genuss der Natur beizutragen. Von den "Brücken" will ich garnicht erst schreiben. Das sollen diejenigen selbst erleben, wenn sie mal den UKK wandern.

Wenn man die Strecke von Vuokatti nach Hyrynsalmi wandert, merkt man deutlich welche Kommune sich um die Trailbeschaffenheit kümmert. So stolpere ich auf dem Weg von Vuokatti nach Ristijärvi von einem Fettnäpfchen ins andere.

Der Donnersohn
Der Rucksack war gepackt und Nahrung für ca. sechs Tage von Vuokatto nach Hyrynsalmi war ebenfalls mit an Bord.
Am 02.06. führte ich meinen Weg fort. Zu dem Zeitpunkt war die ganze Region schon unter einer großflächigen Gewitterzelle. Die schwarzen Regenwolken hängen hier so nah am Boden, dass man das Gefühl hat, sie greifen zu können. Anders als in Deutschland.

Noch unter starkem Regen folgte ich den Trailspuren in den Wald. Nach ein paar Metern gab es keinen Trail mehr und die umgeknickten Bäume häuften sich. Also wieder die alte Masche. Irgendwas in Laufrichtung auf der Karte anpeilen und den Elchspuren in dieser Richtung folgen.
Das klappt in dem dichten Gestrüp ganz gut. Hier und da gebrochene oder angeknabberte Triebspitzen, Losung oder einfach den Hufabdrücken hinterher. Die Wildwechsel sind wie Autobahnen und führen fast immer in die Haupthimmelsrichtungen, zu einer Wasserstelle oder zu einer Wegüberquerung.

Als der Donner und die Blitze immer näher kamen und schließlich über mir waren, verfiel ich in einen schnelleren Trab.
Nach dem Waldstück erreichte ich dann einen Waldweg und endlich die blauen Markierungen. Da fällt einem schonmal ein Stein vom Herzen wenn man sowas wieder findet. Das war aber dem Gewitter über mir egal und so setzte ich meinen Weg auf dem markierten Teil bis Abends fort. Ab und zu wurde es ziemlich hell, wenn die Blitze runterkamen. Das werde ich nicht so schnell vergessen.
Bis dahin hat sich der Himmel dann auch wieder beruhigt und eine schöne Nach Gewitterregenstimmung hat sich eingestellt.

Ich kenn da eine Abkürzung...
Wenn man sich wundert, warum der Pfad auf der Karte einen seltsamen Bogen, einem Umweg gleich, macht sollte man das auch berücksichtigen, wenn man sich in dem Gebiet nicht auskennt.. 
Oder man ignoriert einfach die Regeln der Vernunft und denkt sich, das kann ich ja querfeldein umgehen und direkt auf die andere Seite des breiten flachen Tals in dem der Hepupuro fließt, abkürzen.
So merkte ich schnell, dass der Pfad wohl ein Winterpfad sein musste, da ich irgendwann knietief im Birkensumpf stand. 
Die zwei km "Abkürzung" durch den höher liegenden Mischwald, haben nicht unbedingt dazu beigetragen, dass ich kräfte sparen konnte, weil mich bei jedem kleinsten Navigationsstop sämtliche Arten von Blutsaugern und Bremsen heimgesucht haben. Das Hutnetz konnte ich nicht aufsetzen, da es in dem dichten Wald zerrissen wäre. 
Dämlich ohne Haumesser... 
Ich folgte also einem seichteren Teil des Hepupurotals und legte Kurs auf die nächste Brücke. Meine Stiefel waren schon voll mit sämtlichen Moosarten, als ich einen kleinen Nebenfluss durchwaten wollte. 
Laut Trekkingstock ca 60 cm tief, also nicht so wild. Ich verstaute alles was nicht nass werden durfte oberhalb der Schulterlinie.
Also rein in die rostfarbene Brühe. 
Nach zwei Schritten fiel ich dann in eine Senke und verschwand bis zum Bauchnabel in der Suppe.  
Am Ufer hiefte ich mich ans Land und ging durch den ehlendigen Mangroven ähnlichen Wald zur Brücke. 
Der Gestank den ich an mir roch, errinnerte mich an Moorleiche, es war bereits Lagersuchzeit , mein Fuß schmerzte, die Moskitos sahen mich als wandelndes All You  Can Eat Buffet und ich hatte Hunger.
Eine leichte Depression hatte sich eingestellt...
Laut Karte waren es noch ca. 5 km bis zur nächsten Laavu und Feuerstelle. 
Also Augen zu und nochmal loslegen. 
Nach einem letzten steilem Aufstieg, kam ich kaputt, nass und stinkend an der Autiotupa an. Eine Selbstversorgerhütte für Jedermann.
Ich machte wie immer schnell Feuer und Essen und baute mein Zelt auf. Das Wasserloch war zu weit entfernt und roch brackig, also war Wasser Haushalten angesagt. 
An solchen Tagen ist man dann doch ziemlich froh wenn man den Reißverschluss von seinem Zelt zumacht und auf seiner gemütlichen Isomatte sich ausruhen kann.

In Ristijärvi angekommen, suchte ich einen Campingplatz für zwei Tage Ruhe. Das brauchte ich auch. 

Von dort aus ging es dann einen wunderbaren Bilderbuchwanderweg nach Puolanka. Die Moskitos haben es zwar nicht schöner gemacht, aber dafür wurde ich mit einem abwechslungsreichen Trail belohnt. 
Mal ging es stundenlang über die Landrücken, mal einige Kilometer an den Flussufern des Heinijoki und Lietejoki entlang. Vorbei an rauschenden Stromschnellen und breiten Wasserfällen.
Einer dieser Wasserfälle ist der 
Hevompeesiestä Hepokönkääksi und sieht so aus wie ein Pferdearsch mit Pferdeschwanz. (Ich weis nicht ob ich dem Übersetzer trauen soll) aber ja das Bild sieht ein bisschen so aus.








Der Pferdearsch

Hevompeesiestä Hepokönkääksi


Ein paar UKK- Trail Eindrücke


Was ist eigentlich ein ZeroDay?

Ich behaupte einfach mal, dass der Begriff von den amerikanischen Langstreckenläufern, die unter anderem sich die Füße auf dem Apalachian Trail und dem Pacific Crest Trail wund laufen, kommt. Aber ich denke, dass der ZeroDay wie der normale Sonntag gleichzusetzen ist. Einmal in der Woche legt man eine Pause von den physischen und psychischen Herausforderungen auf seinem Weg ein, legt sein Werkzeug wie Trekkingstöcke nieder und genießt das Faulenzen. Schließlich ist die körperliche Belastung doch ziemlich hoch, wenn man durchs Unterholz walzt. Da ich nun seit ca. fünf Wochen im Wald und Urwald Finnlands unterwegs bin, ist es wohl auch für den Kopf ganz gut zwischendrin mal was anderes zu sehen. Ob die Pause einen Tag oder mehr Tage beansprucht, ist von Körper zu Körper unterschiedlich. 

An solchen Tagen verbringe ich meine Zeit meistens waagerecht auf meiner Isomatte im Zelt, einem Hostel oder wenn das Budget es hergibt auch mal ein Hotel und entspanne, schreibe auf was ich erlebt habe, oder kümmere mich um beschädigte Ausrüstung oder beschädigte Körperteile... 

So auch die letzten beiden längeren Pausen, da mein linker Knöchel bei einem Fehltritt überlastet worden ist. Um mir schnellstmöglich Linderung zu verschaffen, bandagiere ich den Fuß und beuge Schmerzen und Entzündungen mit Ibus vor. Ein paar Minuten im kalten See und ein paar Fußmassagen an meinem Campingplatz in Puolanka tun auch ganz gut. 
Und natürlich geht die Genesung mit einem ordentlichen Soulfood wie bei Oma besser voran. Dank meiner Schwester, musste ich mir dann doch Hackfleischkiegli mit Gmies braten. Sehr lecker! 

17.05. - 01.06.204

397 km zu Fuß

Vom Ukko Koli bis Vuokatti

Nach dem Zeroday in dem Skiresort Koli Nationalpark mit super Weit und Rundumsicht über die typische finnische Seenlandschaft Pielinen setzte ich meinen Trip nach Juuka fort. Zwei Tage bewegte ich mich am Südwestufer des Pielinen entlang. Der UKK Trail auf dem ich mich bewegte war nur sperrlich markiert und so musste ich mich doch öfter mit Kompass und GPS Karte durch den dichten verwachsenen Mischwald kämpfen. Dass das Wetter von Eiskalt zu 20 Grad gewechselt hat, machte manche Passagen nicht einfacher.

Der Froschkönig

Auf einem Hügel auf dem noch die Steinmauerreste einer alten Siedlung standen baute ich mein Lager auf. Ich hatte Hunger und noch mehr Durst. Auf meinem GPS Gerät fand ich eine Quelle nicht weit entfernt. Die war auch sehr nötig, da ich kein Wasser mehr hatte. Nach dem Aufbau gönnte ich mir einen halben Liter Wasser auf Ex von dem klaren kalten Wasser. Gefiltert durch ein Baumwolltuch. Das muss reichen dachte ich mir.
Als ich nachschöpfen wollte, entdeckte ich in der kleinen Quellpfütze einen weißen Sackartigen Gegenstand am Wasserrand. Ich war neugierig und mit einem Stock stocherte ich darin herum. Es war eine aufgedunsene Krötenleiche, womöglich schwanger. Mir wurde kurz schlecht, aber das Wasser blieb in mir. Gedanken wie " ist die Kröte im oder durch das Wasser gestorben?" Oder kommen Kröten zum Sterben ans Wssser zurück?  kamen.
Naja egal, am nächsten Tag merkte ich nichts komisches und so holte ich mir nochmal Wasser.
Was lernt man davon? Wasserquellen immer erst genau inspizieren und dann davon trinken...

Die zweite Nacht verbrachte ich dank eines Tipps von einem Rentner in Nannilathi, auf einem Berg direkt über dem Pielinen. Es war alles da, außer Wasser. Das war zwar nur 100 Meter von mir weg, aber zwischen mir und dem Wasser lag eine Steilwand aus Fels. Also suchte ich mir eine Wasserrinne von einem Harvwstee und filterte das muffig riechende Wasser durch mein Baumwolltuch und entchlorte es. Anschließemd abgekocht, war es genießbar. So viel zum Thema Land der Tausend Seen und Flüsse. Nicht überall findet man Wasser in diesem Wasserreichen Land.

Ankunft in Juuka

In dem kleinen Seedorf habe ich mir eine Unterkunft auf einem Bauernhof gebucht, um meine Vorräte aufzufüllen und zu relaxen.
Mein Zimmer war ein Teil einer Scheune, rustikal ausgebaut mit kleiner Küche und Strom. Kein fließend Wasser und Außenplumpsklo. 
Meine Nachbarn waren drei junge Esel und zwei Zwergpferde, die ab und zu Radau gemacht haben. 
Die Inhaber hatten noch zwei neugierige Wollschweine, Pferde und Ziegen.
Als Krönung meines Aufenthalts, jagte und kochte ich mir zwei Lachsfilets mit grünem Spargel im nächsten Supermarkt. Endlich was frisch Gekochtes!


 



Von Juuka bis Valtimo 

Sechs lange Tage folgte ich den verwaschenen UKK Trailmarks nach Valtimo. Der Weg des ehemaligen finnischen Präsidenten Urho Kaleva Kekkonen ist schon lange nicht mehr regelmäßig gegangen worden. Das bestätigten mir auch ein paar Einheimische, die ich unterwegs fragte. Seit 2010 wird der Weg nur noch in den häufig begangenen Touristenkreisen gewartet, sprich freigeschnitten, nachgekennzeichnet und die Bohlenbretter ausgewechselt.
So auch der Abschnitt zwischen Juuka jnd Valtimo. Mehrmals am Tag führt mich der Trail durch das Nadelsumpfgebiet und durch die dichten verwachsenen Wald. Ich hätte mir eine Machete mitnehmen sollen. Naja ohne gehts auch, nur mit mehr Kratzern an den Armen und Händen.
Wenn man sich ein paar Stunden über die moosbewachsenen Felsblocksumpfwaldgebiete gequält hat, ist man auch über eine simple Schotterpiste froh und dankbar. Meine Follower aus dem Stamm der Parasiten (Zecken in sämtlichen Variationen) schüttle ich nach jedem Waldabschnitt von mir ab.
 
Das schönste an diesen wilden undeutlichen Wegen ist die Stimmung. Wenn das Sonnenlicht durch die Baumkronen auf die moosbewachsenen Felsformationen trifft und ein märchenhaftes Bild aus Licht und Schatten entstehen lässt. Wenn ich dann noch meine Soundtrack's mit meinen Kopfhörern höre, ist das der totale Emotionsflash und lässt so manch schwierigen Weg zu einem schönen Weg werden.

Und dann steht man mitten im Wald vor einem Kahlschlag von Birken, die wie Mikadostäbchen daliegen. Da ist Konzentration gefragt, damit man nicht daneben tritt und sich den Fuß bricht. Manchmal erheben sich gewaltige grüne Sporenwolken von den Birken wenn man darüber kraxelt.

Bist du Elch oder Bär?

Ermüdet und froh auf etwas Gesellschaft kam ich in Valtimo an. Mein Gastgeber war Olavi, ein Krankenpfleger und Reisefan. Für zwei Nächte blieb ich in einem kleinen Schlafzimmer in seinem Haus. Ich brauchte unbedingt eine Dusche und meine Klamotten mussten auch mal gewaschen werden. Außerdem habe ich bemerkt, dass sich ein paar Käfer in meinen Stiefeln ganz wohl fühlen. Um nicht ganz so wie der letzte Mensch auszusehen, machte ich mich vorher an einem See sauber. Trekkingstöcke, Messer , Säge und co. Kommen dann in den Rucksack und die Haare werden zu nem Zopf gebunden. 

Mein Gastgeber war recht offen und wir unterhielten uns sehr lange. Er gab mir einen Auffrischungskurs in Sachen finnische Geschichte. Darunter auch Themen wie Politik, Krieg, Lohnsysteme, sowie die schlechte Stimmung zwischen den Schweden und Finnen usw. 
Auch über ein nicht ganz so leicht zu verarbeitendes Thema haben wir bei Bier und Wein geredet. Nämlich die Selbstmordrate in Finnland. Er erzählte mir von Fällen in seiner Familie und ich war ziemlich geschockt. Er wirkte aber nicht traumtisiert sondern war der Meinung, dass es eine persöhnliche Entscheidung des jeweiligen Menschen ist, wann, wohin und wie er "gehen" möchte. 

Da ich nun schon ca. drei Wochen in Finnland war und keine Sauna von innen gesehen habe, wies mich Olavi in die uralte Tradition ein. Zwar mit einem Elektrosaunaofen aber das macht nicht viel Unterschied. 
Man sauniert ein paar Minuten, duscht sich kalt ab und geht raus an die Sonne, schenkt sich was ein und trinkt zusammen. Das wiederholt man ein paar mal. Dabei unterhielten wir uns über unsere Reisen, Erlebnisse und die Natur.

Es ist ein Ritual, das Feuer, Wasser, Luft und Erde zusammenbringt. So ist man in körperlichem Kontakt mit den Elementen. 


Von Valtimo bis Vuokatti

Olavi begleitete mich noch ein paar km bis an den Rand von Valtimo und wünschte mir gutes Gelingen. Trotzdem startete die Woche  mit einem recht beschissenen Montag. Viel querfeldein. Verirrungen im Wald, Umknicken mit locker sitzenden Stiefeln, ein Riss im Rucksack. Und Temperaturen mit 25 Grad + 
Als ich dann nach einem langen Marsch an einer alten Mühle am Verkkojoki ankam, gab es erstmal Abendessen für zwei Abende. Frustessen und Erleichterung für den Rücken... 
Schlaf fand ich auch nicht wirklich. Fühlte sich so an wie ein Sonnenauf/untergangsjetlag.

Naja schlechte Tage werden meistens mit irgendwas belohnt. Und das ist ein sehr gut markierter Abschnitt des UKK zwischen Valtimo und Vuokatti. Wenn man wie ich allein unterwegs ist, muss man alle Aufgaben selbst in die Hand nehmen, die man in einer Gruppenwanderung aufteilen könnte. Zum Beispiel das Navigieren und finden des einfachsten Weges. 
Das ist dann wie ein Segen, wenn der Trail gut markiert ist und eine große Sache in meinem Kopf wegfällt. Dadurch kann man sich noch besser auf die Umgebung einlassen und genießen.

Das Gebiet dort wird von Landsandrücken durchzogen. Das Eis von gefrorenen Seen schob vor tausenden Jahren das Material auf und so entstanden diese Wälle. Das sind steile langgezogene Dünenhafte Aufschüttungen aus Sand und Kieselsteinen. Die mit Nadelbäumen bewachsen sind. 
Der Weg der dort verläuft ist der alte Salzhandelweg nach Oulu und sehr schön zu laufen. 
Fünf Tage levitierte ich regelrecht über die Wellenartigen Wege nach Vuokatti in das bergigere Gebiet, dorthin wo man auch mal steilere Platten hochkraxeln muss und auf der anderen Seite leiterartige Pfade absteigen muss. 
In den Tälern sammelt sich das Wasser und bildet Feucht und Sumpfgebiete. Die sind aber mit Dielenbretter trittsicher gemacht, also fast immer. Einige Bretter und Brücken sind schon sehr morsch und eingestürzt. Ab und zu breche ich durch oder muss mit meinen Stöcken ertasten wo die Bretter liegen, um nicht in den bodenlosen Sumpf zu steigen. 

Zu einer meiner Mittagspausen, formierten sich am Himmel dunkle Gewitterwolken und weiße Wolken zu einer großen Gewitterzelle. Zum Glück befand ich mich an einer kleinen Kota. Nach ca. zwei Stunden hat die Entladung in Form von Blitzen angefangen, gefolgt vom Donnern. 
Ich schaute mir das Gewitter an und bemerkte die gewaltige Energie, die einige Kilometer um mich herum in auf die Erde traf. Ein sehr kraftvoller Moment. 

Bei einem zweiten Frühstück am Möykinlampi überwinde ich auch endlich meine Furcht undd Angst vor dem schwarzen undurchsichtigen Seewasser und gönne mir ein Erfrischungsbad. Meim Salzkristallschwitzhemd habe ich dann auch mal gewaschen...

Am Freitag, 31.05, erreichte ich dann die Wintersportstadt Vuokatti. Dort steht eine Olympia Skisprung Anlage und ettliche Ferienhäuser, Hostels und Hotels. 

12.05 - 16.05.24

166 km zu Fuß 

Der Koli-Nationalpark

Nach dem Kaltstart im Osten Finnlands, an der russischen Grenze, bekomme ich endlich Beistand der Schönwettergötter und kann meine "Hüttentour' im und um den Koli Nationalpark fortsetzen. Bei gemütlichen + 2 nachts und bis zu + 20 Grad tagsüber setzte ich meinen Weg nach Norden fort. 


Der Wanderweg zieht sich von kleinen Weihern wie dem Ahvenlampi bis an die Westseite des Herajärvi und Jero entlang durch den Koli Nationalpark. Ein Herzstück und urtypische finnische Landschaft wie mir Pjetry der Alteisenpfadfinder bei einer Übernachtung in einer Schuzhütte erzählte.


Ein Zelt braucht man in diesem Wandergebiet nicht unbedingt, da die einfachen Schutzhütten und auch besser ausgestatteten frei zugänglichen Wildnishütten gut zu Fuß an einem Tagesmarsch erreichbar sind.

Die Zeit nach meinen halben Tagesabschnitten auf dem Trail verbrachte ich mit Löffel ausbrennen und Schnitzen. Die Trekking Angel, die ich seit Begin mit mir rumschleppe ist auch fast jeden Abend in Gebrauch. Wenn ich die Möglichkeit habe an einem See zu angeln, werfe ich ein paar mal aus und sehe dann zu wie sich Köder um Köder in irgendwas verfängt und verloren geht. Hat sich ja gelohnt denke ich mir...
Hätte ich nichts zu Essen dabei, würde ich als wildnisguide wahrscheinlich verhungern.

Ryläis
Am Dienstag den 14.5. erwartete mich dann ein langer und schöner Weg durch das Ryläis Gebiet am westlichen Ufer des Herajärvi.

Ich startete vom Ahvemlampi und mein Tagesziel sollte eine Schutzhütte auf dem kleinen Plateau des Ryläis sein.

Das Gebiet, das der fränkischen Schweiz sehr ähnlich ist, wurde vor einigen Jahren noch als Kupferquelle und zur Holzernte benutzt. In einem kurzen Abschnitt im Jahr, wurde die Holztrift über die Whitwater Flüsse und dann weiter über die Seen bis zum Pielinen weitergeführt. Ab und zu findet man durch die patina vergrünte Äste von Birken. Ist das Gesund? 

Bis zu meinem Mittagspausenfels am Herajärvi Ufer, das nur durch ein handgezogenes Floß erreichbar war, vertrieb ich mir die Zeit und stapfte über Stock und Stein und arbeitete mich die steilen Pfade entlang.

Nach einer ausgelassenen Mittagspause in der Sonne und am Wasser bei Kiviniemi, setzte ich meinen Weg durch das von der Trailrunnerin Sarja als "very difficult" eingestuftes Gebiet zu meinem Tagesziel fort. So Schlimm kanns nicht sein, dachte ich mir.
Aber die 11 km Mischung aus gefluteten Pfaden, vereisten Dielenbretterwegen durch Sumpfland, Schneefelder mit "Überraschungs ich brech dir die Beine wenn du nicht weist wohin du trittst" Hohlräumen und die sehr steilen Auf und Abstiege forderten mich sehr.

Mit erzwungener Geduld arbeitete ich mich auch durch die ekligsten Wege durch den Schlamm und Schnee, suchte mir meinen eigenen Weg auf den erhöhten Stellen durch den verschneiten Sumpfwald.

Belohnt wurde ich mit einer mystischen Stimming, die durch die Sonne, der Stille und den Geräuschen des lebendigen Waldes erzeugt wurde. Hier und da finde ich die zerrupften Überreste von Schneehasen und Moorhühnern. Das Plätschern der Schmelzwasserbäche verstärkte diese kraftvolle Stimmung umso mehr.

Vielleicht wirds ja doch noch was mit der Korpiklaani karriere

Wie man sich nicht auf solchen Pfaden verhalten sollte:
Manchmal musste ich mich beherrschen, um nicht in einen berserkerähnlichen Wahnzustand zu kommen, in dem mir dann alles egal ist und ich über und durch sämtliche Hindernisse schreite. (Ja, ohne Hilfsmittel)  Die Stiefel so fest wie möglich binden und den Verstand auf durchkämpfen stellen und dann von Stein zu Stein hüpfen. Das kam schon desöfteren während meiner Tour durch Norwegen vor. Aber erst nach einer längeren Tourdauer, wenn die Muskeln und Sehnen sich an die Anstrengung gewöhnt haben. So kommt man zügig vorran. Ob das so förderlich für den Geist ist, glaube ich nicht. Ist doch der Wald ein ruhiger und geselliger Kraftort, den man mit jedem seiner Sinne genießen soll und nicht in Hast verfallen muss.

So zurück zum Trail...

Als ich mit einer meiner Trekkingstöcke in einem versteckten Felsloch verschwand und mein Arm gleich dazu, kam ich dann doch irgendwann mit trockenen Schuhen und ettlichen Pausen später am Tagesziel an. An der Feuerstelle erwartete mich dann der Makkara Grillduft, ein Pärchen und Pietrij der Pfadfinderveteran. 

Nach einer Diskussion über e-coli verseuchtes Quellwasser, gab es für mich noch eine große Portion Nudeln, gekocht im Wasser, das nicht weit weg von einer dieser Quellen war. Naja immerhin abgekocht denke ich mir. Und was ist ein Abenteuer ohne wasserstrahl-Stuhl? Wäre ja langweilig. 

Abends gesellte sich dann noch ein Wanderer dazu und zu dritt schliefen wir in dem großen Shelter bei Rylähi. Die Nacht war scheise, es war ein Schnarcher dabei. So ein eigenes Zelt hat auch seine Vorteile. Ich wachte regelmäßig auf und verfluchte mich, dass ich ja unbedingt in diesem Shelter schlafen musste. Immerhin konnten sich meine Knochen ausruhen.

Am Mittwoch ging es für mich dann auf den Bergrücken des Ukka Koli, dort wo mich eine heiße Dusche in einem Hotel erwartete. Der am Ufer des Pielienen gelegene Felsplattenberg hat mich mit einer weiten Aussicht über das finnische Seenland belohnt. 
So viel Süßwasser auf einem Fleck sieht man nicht allzu oft im gemütlichen Franken. 
Die vereinzelten bewaldeten Inseln in dem See Pielinen machen das Gebiet, flankiert vom Koli Berg zu einem sehr schönen Fleckchen Erde. 

Weiter geht die Reise nach Juuka, Valtimo und Richtung Kajaani. 




6.05. - 12.05.24

122 km zu Fuß

Die Zero Woche


Nach einem zehn Kilometer Marsch wie der Nazgul fliegt (entlang einer Straße), kam ich Sonntagnachmittag in der kleinen Stadt Uimaharju an. Die Stadt ist von einer großen Holzindustriefirma geprägt. Was genau dort hergestellt wird, kann ich nicht sagen. 
Mein eigentlicher Plan war dort meine Lebensmittel aufzufüllen, zwei Tage Ruhe zu gönnen und meine Ausrüstung zu pflegen.
Ich merkte schon zwei Tage vor der Ankunft in Uimaharju, dass etwas in meiner Lunge schlummert, also stellte ich mich schonmal drauf ein länger bleiben zu können. 
Die günstigste Nacht konnte ich nach etwas verhandeln bei einem zwielichtigen Motel für 50 Eurasische Dublonen ersteigern. Immerhin ein Dach über dem Kopf, eine Heizung, Dusche und ein Bett. Wunderbar also. Ein typischer Saisonarbeiterbau eben. 

Als ich mit dem dritten mal Duschen fertig war, schaute ich mir noch ein paar Sendungen im finnischen TV an und schlief dann bis Montag durch. 

Den Montag nutzte ich dann, um mir was essbares in einem K und einem S Markt nicht weit weg von dem Motel zu besorgen. Der entwickelte Husten steigerte sich auch. 
Um mich davon abzulenken, reparierte ich meinen Sierra Design Rucksack. Bei den vernähten Kompressionsriemen sieht es so aus, als ob die Hersteller die Naht einfach draufgesetzt haben... 
Ist das nur bei mir so, oder haben andere auch so viel Probleme mit schlecht verarbeiteter Ware? 

Ich ging nochmal meine Ausrüstung durch, um zu entscheiden was ich vielleicht weglassen kann, und entschied mich noch ein bisschen abzuwarten.

                  Lost in Uimaharju

Nach geschätzten eintausend "Reels" und "Shorts" bekannter Onlineplattformen, war es dann Donnerstag, Vatertag. Der Tag der Herren. Der Tag, an dem sich mehr als ein Dutzend trinkfester Recken aus und Umgebung Herzogenaurachs treffen. 
Das Ziel? Einen selbstkonstruierten Bollerfestwagen ca. 11 km durch die ERH und HöS - Prärie zu schieben und sich nebenbei mit Shisharauch die Lungen vollpumpen und mit "a schwarze Moß" nach der anderen, das Gehirn wieder auf Werkseinstellung  setzen. 

Und ich? Ich bin nicht dabei! Sehr traurig. 
Ich lieg lieber ein paar Tage mit Fieber und Schüttelfrost in einem zu kleinen Bett in einem stickigen Motel in Uimaharju irgendwo in Karelien. Koche mir Tee mit einer Kaffeemaschine und mach mir mein Essen in der Mikrowelle oder mit einem Gaskocher in der Dusche warm. 

Nachdem ich am Mittwoch mit einer speziellen Methode meinen Körper zur "Gänsehaut" bringen und dadurch die Reaktion und Abwehr von meinem Körper auf die Krankheit verstärken konnte, fühlte ich mich nicht mehr ganz so erschlagen und etwas erholter. 

Am Freitag 10.05. entscheide ich mich dann doch wieder weiter zu maschieren. Aber in einem anderen Flow und Tempo. Wie ein tickendes Uhrwerk trottete ich auf den nächsten Abschnitt nämlich den E10 / UKK Trail zu. 

Zwischendurch folge ich einem Pfad Namens Padvinpulko. Vorbei an Seen und durch hügelige Waldlandschaften. Den sonst gut markierten Pfad findet man nur noch sehr schwer, wenn ein Holzprozessor seine Schneise durch den Wald gezogen hat. Sehr schade, aber durch das Jedermannsrecht, kommt es hier nicht selten vor , dass gut markierte Wege auf ein paar hundert Meter  plötzlich nicht mehr zu sehen sind. Das ist in dem Unterholz dann nicht mehr so spaßig aber mit GPS, Karte und Kompass kein Problem wieder Anschluss zu finden.

Weiter auf dem Padvinpulko

Den zweiten Tag an dem ich weiter wandere verbringe ich in einem rauen Hügelland mit Pottenstein ähnlichen "Bergen". Der jetzt wieder gut markierte Pfad führt mich durch Feuchtgebiete in denen die Bäume anfangen morsch zu werden. Ich muss mich recht anstrengen um die paar Höhenmeter zu laufen aber mit Geduld und richtiger Atmung geht es. So bewege ich meinen Kadaver weiter Richtung Westen. Als ein paar Meter neben mir ein Baum umkippt, bin ich plötzlich hellwach. Besser als jeder Kaffee. Vorsichtig und den Blick nach oben gehe ich weiter durch den Urwald und dem Elchpfad hinterher. Die Landschaft wird Brockiger und etwas ausgesetzter. Ein schöner ruhiger Waldwanderpfad. Die Farbmarkierungen an jedem zweiten Baum und Stein sehen so aus, als ob die Ranger mit einem Paintballmarkierer den Trail abgesteckt hätten. Aber ich denke wenn mal dichte Nebelsuppe in dem Sumpfwaldgemisch ist, ist man über jeden Orientierungspunkt froh. 

Der Trail ist recht abwechslungsreich und sehr schön , wäre da nicht der teilweise hüfthohe Altschnee, der sich zwischen den Nadelbäumen und auf den Feuchtgebieten aufgeschoben hat. Dieser Umstand macht einige einfach wirkende Abschnitte zu einer sehr anstrengenden Tortur. Das ist halt kein Spaziergang durch den Birkenbühl... 

Als ich auf ungefähr 210 hm den "Gipfel" eines dieser Hügel erreichte, war ich doch sehr froh über die kleine Sitzbank und die Lagerfeuerstelle dort.
Ich erntete die unteren abgestorbenen Äste von Fichten, die sehr trocken sind.  Dazu noch Reisig und etwas Birkenrinde von einem morschen Baumstück. Meistens zwei Hände voll von allem. Etwas Vorbereitung in Form von zerkleinen des Zunders und ein Funke dazu, schon ist das Feuer und die Wärme gesichert.

Ein paar Meter weiter, konnte man auf einer Felsplattenformation über die finnische Waldlandschaft blicken und mich umschauen.

Nach der Rast, stieg ich dann in das kleine Tal zurück und folgte dem Weg vorbei an Pfützen mit großen Kröten, die sich um ihre Erben kümmerten, weirer an einem zerfallenen Bauernhof vorbei bis ins Nirgendwo. Kein Weg, kein Pfad, keine Spuren. Mühevoll stieg ich querfeldein auf den vor mir liegenden Hügel durch den Schnee. 
Oben angekommen war der Weg wieder da... 

Jetzt musste ich aber erstmal Ballast abwerfen und suchte mir einen Baum ein paar Meter abseits des Hügelkamms. Als ich die Hose wieder hochziehen wollte, machte ich eine Bewegung zwischen den Bäumen aus und siehe da: Ein Vierbeiner mit großem Geweih schlich sich förmlich durch den Nadelwald. Der Elch folgte lautlos dem gleichen Pfad wie ich.

Da es noch Samstag ist, entscheide ich mich bei einem kleinen Aussiedlerhof namens Villa Heidi nach einem Bett zu fragen. Laut meiner Karte war das auf meiner Route. Ja es "war" dort. Das alte Gebäude steht zwar noch, aber ist schon lange leer. Ich spreche den neuen Besitzer an, der mit seinem Sohn Kiefernsetzlinge anpflanzte. Nach der Story über dem Bankrot des Hotels und dessen Verfall, fragte ich nach einer Laavu in der Nähe. 

Entweder 2,5 km wieder zurück oder 10 km zum Tagesziel. Ich nahm den Weg zum Tagesziel Hautajärvi. Auf dem Weg fand ich ein Zeichen auf der Karte "Kota" , Hütte also. 
Kotas sind finnische Zeltförmige Hütten aus Holz mit einer Grillstelle im Zentrum, damit man seine Makkara schön kross grillen kann. Natürlich geht auch anderes Essen oder Tee. 

Mit einem schlechten Gewissen ob ich das darf oder nicht, nahm ich in der Hütte Platz und machte ein Feuer. Es war mindestens Platz für 20 Leute. Dort verbrachte ich dann mit der Unterhaltung des Feuers und Entspannung den Abend. 
Am Sonntag, Muttertag. An alle Mütter die das hier lesen: Ihr seid die Besten! Ohne euch wären Männer keine Männer und Kinder keine Kinder. 
, ging es für mich auf einer Schotterstraße weiter Richtung Hautajärvi. Dort beginnt für mich dann der E10. 

Als ich gegen halb 11 an der Laavu ankam, traute ich meinen Augen nicht ganz. Dort stand eine Schutzhütte direkt am See. Es war alles vorhanden. Wasser, Brennholz und eine Laavu für mich allein. Dazu noch herrlicher Sonnenschein und kein Wind.
Perfekt für einen halben Ruhetag dachte ich. 
Nachdem ich meine Mittagssuppe und Kaffee getrunken hatte, suchte ich mir nen angenhehmen  Baum zum anlehnen direkt am Wasser. Wie Hucklebary Finn saß ich dort eine Weile. 
Es kamen und gingen Leute, die an der Feuerstelle eine Rast einlegten. Noch alles ruhig dachte ich, als dann doch Kindergeschrei näher kam. Eine sechsköpfige Familie mit Hund und Kühltruhen kam angetrottet. 

Auf so viele Menschen war ich garnicht vorbereitet und traute mich außer Hello nichts weiter zu sagen. Echt seltsam wenn man ein paar Tage allein durch die "Wildnis" stapft und dann gleich mit dem Abenteuer Großfamilie konfrontiert wird. 

Der Vater der Kids, Tomy, war auf geheimer Mission, um seiner Frau einen tollen Tag vorubereiten und ein bisschen Freizeit von den Kindern zu schenken. Sarja ist eine ultra Trailrunnerin, wie sie mir später erhzählte. 160 km in 32 Stunden über Stock und Stein. Das ist echt verrückt!
Deswegen durfte sie heute wohl dank ihrem Mann einen 20 km Trail laufen und kam erst später dazu. 

Während dem Warten machten wir Feuer und die beiden Söhne starrten mich hin und wieder neugierig an. Auf englisch unterhielt ich mich mit Tomy über das Wohin und woher. 

Als er dann eine Rührschüssel und Schlagsahne, Tortenböden, Marmelade und Cloudberries auspackte, staunte ich nicht schlecht. Mit Schneebesen und Schüssel stand er am Feuer und hat gefühlt eine Ewigkeit Sahne für den Überraschungskuchen für Sarja geschlagen... verrückt. 

Sein ältester Sohn half ihm dann beim Zusammenbau und als Snack zwischendurch gab es Pizza vom Grill... nicht ganz so verrückt 

Als dann auch seine Frau ankam, gab es Makkaras und Salat zum Abendessen. Es gab alkoholfreien Sekt und Energydrinks, auch für die Kinder. Ich durfte auch eine dieser Bockwurstähnlichen Grillwürstchen essen. Die Konsistenz ist sehr gewöhnungsbedürftig für einen Mann wie mich, der aus dem Wurschtwunderland kommt. Aber diese Makkaras sind finnische Spezialität und so landete auch eine davon zwischen meinen Zähnen. 
Beim nächsten Einkauf, nehm ich mir aufjedenfall ein Päckchen mit! 

Als Nachtisch gab es den Mutterkuchen von Tomy, also ich meine die Überraschungstorte .... 

Nachdem ich noch ein bisschen mit dem kleinsten Kind spielen durfte oder musste, zog auch die Großfamilie weiter. 

Am Montag setzte ich dann meinen Weg auf dem Europäischen Fernwanderweg E10 fort.










Bild der Woche 

(1 Woche vor Abreise)

Für so eine lange Tour ist es nicht immer leicht sich für ein passendes Zelt zu entscheiden. Viele Faktoren wie Gewicht, Packmaß, Komfort und Wetterschutz sind zu beachten. Ein Zelt ersetzt kein Haus, aber unterwegs ist es doch schön, wenn man ein paar Tage in einem anständigen Zelt "abwettern" kann. Und es sich in seinem mobilen "Zuhause" gemütlich machen kann. Essen kochen, relaxen, die Karten studieren oder einfach die Umgebung zu genießen. Als großer Mensch ist es auch von Vorteil wenn man etwas flexibler unterwegs ist und entscheiden kann ob man nur ein Tarp oder nur einen Mückenschutz oder beides braucht.

Nach einem langen hin und her habe ich mich für das Lanshan 2 Pro von 3Ful Gear entschieden. Ein PoleTent für zwei Personen und ähnlich flexibel wie ein Tarp. 

Die Reise beginnt

Nach sechs Tagen Wald, Sumpf und Schnee, bin ich nun auch mal wieder in einer Stadt Namens Uimaharju, um meine Lebensmittel aufzfüllen, mal zu duschen und die Vorteile eines beheizten Raums zu genießen. Außerdem gibt es noch Dinge zu erledigen wie etwa meine Kompressionsriemen am Rucksack wieder anzunähen. Gut, dass meine Ausrüstung wie Zelt und Rucksack schon in der ersten Woche leidet. Aber es gibt nichts, was man nicht wieder instandsetzen kann... So nun aber zum Wochenbericht.

Mal sehen ob das mit dem Blog schreiben so klappt. Mit der Materie bin ich noch etwas grün hinter den Ohren. Tipps und Tricks nehme ich gerne per Mail an.


6.05.2024 - Uimaharju 

104 km zu Fuß

Ein Foto vom Hattujärvi, einer von vielen noch abschmelzenden Seen im Karelien

Die ersten Tage in Suomi


Nach einem nicht ganz so leichten Abschied von meinen Eltern beim Abendessen am Vortag und von meinem Bruder und einen seiner Söhne am Flughafen in Frankfurt, verlief die weitere Reise nach Finnland, Land der 1000 Seen, Sumpfland oder Suomi reibungslos. 


Das Gefühl soweit Weg von zuhause zu sein und seine Freunde und Familie für lange Zeit  nicht "griffbereit" zu haben, ist schon nicht leicht für mich. Aber wir haben ja unsere Weltenempfänger, Wischkästli, Smartphones, mit denen man fast überall Kontakt knüpfen kann. 

'Abschied ist ein scharfes Schwert, aber jeden Morgen wert"
 - Teil eines Songtextes einer meiner Lieblibgsbands 🤟

Die Anreise

Bis auf meine drei Sturmfeuerzeuge, musste ich auch nichts am Flughafen zurücklassen. Die dürfen nämlich nicht mit an Bord.  Wenn ich die Zeit und Lust habe, werde ich noch eine Packliste erstellen.



Mit einer Mittelklassemaschine von Finnair ging es dann am 28.05. zu Finnlands Hauptstadt Helsinki. Dort angekommen, gönnte ich mir den Luxus einer Flughafenlounge. Ein Abteil für einen kleinen Aufpreis in dem man sich ausruhen kann und sich am kostenfreien Buffet laben kann. Wer sich achtarmig einen hinter den Frontallappen ballern will, kann sich auch unter die Bierzapfanlagen legen oder die Wein und Sektkorken fliegen lassen. 


Da mein Anschlussflug erst um 23:30 weiterging, beobachtete ich satt und glücklich, nervös und aufgeregt die startenden und landenden Flugzeuge durch die großen Fensterscheiben in der Ruhezone. Zwischendurch schlenderte ich durch den Flughafen, vorbei an Mumin shops und zahlreichen Süßigkeitenläden, bei denen man aufpassen muss, nicht sein ganzes Kapital in Süßkram zu investieren.

Die Ankunft in Joensuu, Finnland


Eine kleinere Propellermaschine brachte mich und die anderen Fluggäste um 00:40 Uhr am Montag 29.05., sicher zum Flughafen in Joensuu.
Mit dem schweren Rucksack am Rücken, wartete ich auf den letzten Shuttlebus, um vom Flughafen ins Stadtzentrum von Joensuu zu kommen. Zwei hühnenhafte Bodyuilderbären und eine Frau mit großem Koffer warteten ebenso. 

Die Zeit zum nächsten Bus nach Ilomantsi, verbrachte ich dank der Frau mit dem großen Koffer (Begegnung) im Eingangsbereich in einem Hotel in Joensuu. 

Früh morgens erreichte ich dann die AirBnB Wohnung in Ilomantsi. Der letzte "Luxus" vor dem Aufbruch. 

Nach einem erholsamen Schlaf in einem Bett, verbrachte ich die Zeit mit Lebensmittelkalkulation Gewicht/Energie in einem K-Markt und dem Besorgen einer Gebietskarte um Ilomantsi. Ich bin zwar redundant mit Smartphone und Garmin 67i GPS ausgestatten, aber eine Karte aus Papier und ein Kompass gehören zur Basisausrüstung. Auch wenn es nur eine Straßenkarte ist. Sollte nämlich die Technik versagen hat man immer noch ein Ass zur Orientierung im Ärmel.

Durch einen Anruf bei der Touristinformation, konnte ich ein Treffen mit Eero (Begegnung) ausmachen, der mir eine Wanderkarte vom Bereich Ilomantsi - Patvinsuo Park zeigen und geben konnte. Nach mehreren eindringlichen Warnungen seinerseits, akzeptierte ich, dass ich zu früh dran war, um die geplante Route über den Wolfspfad (Susitaival) zum Patvinsuo Nationalpark zu nehmen.

 "Suo" isr finnisch und bedeutet übersetzt Sumpf. 

Da Anfang Mai die Schneeschmelze schon recht aktiv ist, werden die Trails überflutet, Bäche werden zu Strömen und sonst langsam fließende Flüsse werden zu "fast" unüberwindbaren Hindernissen. So auch die vier Flussquerungen auf dem Susitaival, die nur mit einem stationärem Floß überquert werden können. Diese Flöße werden aber erst Mitte/Ende Mai ins Wasser gelassen. Also war wohl nix... 

Als ich Eero von meinem Vorhaben erzählte, war er gleich Feuer und Flamme. Mein Taxi, das ich mir vor ein paar Tagen organisierte um nach Hattuvaara zu kommen cancelte er auf finnisch über mein Handy. Er rief eine Kollegin an und so lernte ich Ritva (Begegnung) kennen. Wenn ich es richtig verstanden habe, war sie für die Infrastruktur für Urlauber und Touristen zuständig. Dank Ihr stand ich am nächsten Tag vor einem 2 km Marsch durch kniehohen Schnee zum östlichsten Punkt Finnlands. 

Don't do stupid things!


Vor der Fahrt mit Ritvas SUV, erwischte ich mich dabei, wie ich neugierig in einem Baumarkt Sachen suchte, um mein Rucksackgewicht von ca. 21 kg mit dem nötigen Auftrieb zu verpassen, um doch die Flussquerungen zu meistern. Die Eisenwasserflüsse in Skandinavien sind durch den teilweise sandigen Untergrund und der starken Errosion recht breit und tief. Also kann man nur durchschwimmen und nicht furten. Eine Umwanderung zu einer seichteren Stelle am Fluss war in meinen Augen bei dem Morast und Sumpfgebiet zu energieraubend.

 So landeten ein 12 m langes Seil, Müllsäcke und Luftballons im Einkaufskorb.
Als ich den Baumarkt verlies, kam mir dann der Spruch "Dont do stupid things!" In den Sinn und mir wurde klar, dass es nicht die beste Idee ist, sich in den ersten Tagen bei +/- 0 Grad, mit einem Rucksackrettungsringding in einen schwarzen eiskalten Fluss zu werfen. 

Der Plan B


Die ersten Kilometer wanderte ich von meinem Startpunkt aus, auf einer Forststraße aus der Grenzzone raus zu einer Brücke über den Fluss Koitajoki, ein Grenzfluss und einer der längsten Flüsse Finnlands. Oder der längste? 


Die Schotterpisten sind dank der Errosion durch die unterirdischen Wassermassen gut zum Wandern geeignet. Der instabile Boden gibt bei jedem Schritt etwas nach und so ist es nicht ganz so anstrengend für die Füße und Sehnen. Immerhin besser als sich durch die Sümpfe und Marschen zu quälen. 


Am Abend erreichte ich meinen ersten Lagerplatz direkt am Fluss. Ich pinnte mein Tarptent in den noch teilweise gefroreren Waldboden fest und machte Isomatte und Schlafsack bereit. Beim Aufspannen des Zeltes machte es "ratsch" und eine Naht am Gibel, dort wo der Trekkingstock eingehängt wird, riss. Is mir jetz egal, das reparier ich später dachte ich mir. Panzertape drauf uns gut is. 


 Ich machte Feuer und kochte mir leckere Spaghetti mit Rahmsauce und Parmesan, chili und Knoblauch. 

Als ich die erste Gabel in den Mund stopfen wollte, hörte ich das Tapsen eines Hundes und Schritte auf mich zukommen. 

Zwei uniformierte Männer der finnischen Grenzkontrolle und ihr neugieriger Hund begrüßten mich. 

Wer ich bin und was ich hier zu suchen habe, wollten sie wissen. Sie haben mich auf der Kamera am östlichsten Punkt gesehen. Wir unterhielten uns freundlich auf Englisch und ich erzählte meine Geschichte. 

Nachdem nun auch meine Daten im finnischen Grenzamt oder wo auch immer stehen, verabschiedete ich meine Gäste und konnte dann endlich meine Nudeln essen.

Vor dem Schlafengehen nutzte ich die Abendsonne, um ein paar Würfe mit der Angel zu üben und mir Gedanken zu einem Plan B zu machen. 


So suchte ich mit meiner Garmin explore Karte nach einer alternativen Route durch die Landschaft nach Westen, um nach Uimaharju zu kommen.


Das rauhe Karelien

Die nächsten Tage folgte ich den Waldwegen und Forststraßen durch Urwälder, angelegte Nutzwälder, radikal abgeholze Kahlschläge der Forstwirtschaft und endlosen Sumpflandschaften. 

Wenn man vom Wegesrand im Sumpf in die trüben, braunen Wasserpfützen und Rinnen schaut sowie im Brackwasser geisterhafte Netze und Fäden sieht, kommt einem schonmal der ein oder andere Schauer und Unwohlsein über den Rücken. So fühlt man sich ein bisschen wie die Hobbits in Der Herr der Ringe. 

Wenn allerdings die Sonne auf die triste Landschaft fällt und alles in ein sattes gelbes Licht taucht, bekommt diese gruselige Umgebung etwas mystisches und geheimnisvolles. Etwas lebendiges und faszinierendes.

Ich folge weiter meinem roten Faden. Um jeden Tag ein bisschen abwechlungsreich zu gestalten, gehe ich mal auf Wegen entlang oder folge meiner Kompassnadel querfeldein durch die Kiefernwälder und über die nicht leicht zu querenden Kahlschläge. Um im Wald ein bisschen aufzufallen, lege ich meinen Feuerstahl in meiner Hosentasche so an die Klappsäge, dass es bei jedem Schritt ein Geräusch erzeugt, das dem Schlagen von einem  Hammer auf  den Amboss nahekommt. Das beruhigt mich und macht die Wildtiere hoffentlich aufmerksam, dass da kein Frischfleisch rumläuft.

Um im Wald nicht von der Peilung abzukommen und nicht alle zehn Sekunden auf den Kompass zu schauen, folge ich der Slalomstrategie, haha.. 
Ich bilde mir eine Linie in Richtung der Peilung und gehe dann im Slalom links und rechts an den Bäumen in meiner Linie vorbei. Bis auf ein paar Schritte abseits meines Zieles, komme ich dann dort an, wo ich hinwill. Untwerwegs sauge ich ein paar Kiefernknospen aus oder gönne mir ein paar Nüsse aus meinem Proviant. Ein Schluck Rapsöl zwischendurch, schadet auch nicht. Meine Trinkflasche fülle ich mit dem Eisenwasser aus fließenden Gewässern.

Auf den Ebenen ohne Bäume suche ich mir dann markante Ziele in der Landschaft und nutze diese als Peilungspunkte.

Teilweise kann ich auch den Wildwechseln von Elchen folgen. Die Waldgebiete sind wohl sehr beliebt bei den Herren des Waldes, wenn man alle fünf Meter eine Losung findet. 

Ich entdecke Elchspuren mit einer Schrittlänge von ca. 140 cm. Also ein recht großer Oschi der da durch den Schnee gestapft sein muss. Später konnte ich auch endlich einen dieser majestätischen Vierbeiner vor mir über den Weg gallopieren sehen. Die sind ganz schön flott unterwegs.
Aber auch viele Spuren von anderen Waldbewohnern wie Bären, katzenartige Spuren (ich denke Luchse), Rotwildspuren und hier und da auch eine Wolfstatze. Es soll auch Vielfraße (außer mich) hier geben. 

Die jungen Baumsprösslinge sind angeknabbert und die nahrhafte Rinde an vielen Bäumen abgeschält. Dreikrallige Kratzspuren an Borkenkäfer befallenen Bäumen entdecke ich auch. Was das wohl war? 
Der Wald ist also ziemlich lebendig und zuhause von sehr vielen Tieren. 

Trotz dem Gefühl von irgendwas beobachtet zu werden, gehe ich weiter meinen Weg durch manchmal hüfthohen Schnee oder vereisten Trampelpfaden und über die feuchten nicht einzuschätzenden Sumpfwege.

Die schlimmsten und anstrengensten Pfade sind aber auch die schönsten! 

Entlohnt für meine Tagesarbeit auf den Trails werde ich mit einem Lagerfeuer und einem warmen Abendessen. Das Feuer entzünde ich entweder gut vorbereitet mit Feuerstahl und Zunder, oder mit dem endlosen Vorkommem an Birkenrinde. 

Mit Hilfe einer improvisierten Bushbox (ein klappbarer Hobokocher aus Titan oder Edelstahlblech) schmelze ich gepressten Schnee in meinem Topf, wenn ich keine fließenden Gewässer um mich habe. 
Hierzu rolle ich ein großes Stück Birkenrinde und stecke es zwischen drei, senkrecht in den Boden gesteckte Äste, um darauf dann den Topf zu stellen. Die Birkenspirale anzünden und abwarten bis der Schnee geschmolzen ist.

Wenn ich nicht im Zelt schlafe, versuche ich eine Laarvu, eine Schutzhütte anzusteuern. Dort gibt es meist trockenes Feuerholz zum selbst Sägen und Schlagen. Improvisierte Äxte und Sägen liegen vor Ort. Auch ein Plumpsklo ist vor Ort. 

Ein großes Dankeschön an die Menschen, die sich die Mühe um die Beschaffung des Feuerholzes und das Instandhalten der Shelter machen! 

Auch wenn es nach einem Tagesmarsch durch Geröll, Schneefelder und Wasser sehr anstrengend ist noch Holz zu machen, ist es sehr angenehm wenn man dann am Feuer sitzt und die abendliche Stimmung genießen kann. Der Rythmus von 14 h aktiv sein und 10 h schlafen gefällt mir bis jetzt ganz gut 😆

Die letzte 10 km Etappe vor Uimaharju, legte ich auf dem Bankett einer Landstraße zurück. Wenn man am Tag zu vor auf dem Ala-Koitajoki trail oder so, unterwegs war, kommt einem das wie eine Rolltreppe vor.

Die nächsten Tage verbringe ich hoffentlich auf dem E10 Trail Richtung Kijaani. 

Ich bin gespannt was noch so auf mich zukommt!